Bevor ich mit dem letzten Bericht beginne, möchte ich mich erst einmal für die Verzögerung entschuldigen. Aber erstens gab es in der Türkei einiges zu organisieren nachdem wir wieder zu Hause waren und ausserdem habe ich den Beginn des Berichtes wochenlang vor mir hergeschoben und je mehr Zeit verging, desto mehr graute mir damit zu beginnen. Hat so etwas endgültiges, die Reise ist nun definitiv vorbei und es wird eine ganze Zeit dauern, bevor wir was neues planen. Aber besser spät als nie. CP El Eoen: N15.51.239 / W097.03.321 / Höhe 9m
Von Ashton aus waren es doch erheblich mehr Kilometer bis zum Westeingang des Nationalparks als ich geschätzt hatte. Ausserdem waren überall Baustellen die ein schnelleres Vorwärtskommen verhinderten. So wurde es Mittag bis wir den Nationalpark erreichten. Im Park dann ebenfalls Verkehr wie bei uns auf der Autobahn. CP`s voll, Strassen voll, Picknickplätz voll. Ist wohl im Sommer eines der Hauptreiseziele der Amerikaner. Was solls, sind wir ja bereits zur Genüge gewohnt, zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich war auch nicht mehr für lange Wanderungen oder Spaziergänge ausgerüstet. Meine Wanderschuhe hatte ich Robin vermacht und im Sequoia NP hatten auch noch meine Turnschuhe ihren Dienst eingestellt. Ich war nur noch mit Sandalen und Badeschlappen unterwegs. Nachdem wir uns den Gysier Old Faithful angeschaut hatten und eine grosse Schleife durch den Park gefahren waren, ergatterten wir am Abend noch einen freien Platz auf dem CP am Lake Yellowstone.







Mehrfach versuchten wir ein Feuer in Gang zu bringen, aber jedesmal wenn es gut brannte prasselte ein Regen- oder Hagelschauer nieder und machten unsere Bemühungen wieder zunichte.
Als es dann endlich aufklarte und die Bratwürste auf dem Grill lagen, wartete wir nur noch auf einen Bären der uns die Würste doch noch abjagen würde. Mangels Bären konnten wir sie
aber doch selbst essen. Da sassen wir noch beim Feuer bis unsere Holzvorräte aufgebraucht waren. Es wurde eine empfindlich kalte Nacht auf 2350m Höhe und nur unsere eigene Faulheit
verhinderte, dass wir die Schafsäcke, die gut verstaut unter uns in den Kisten lagen, hervor holten. Wäre trotzdem besser gewesen als die halbe Nacht zu frieren.
CP Marina: N44.32.212 / W110.26.223 / Höhe 2368m
Starr vor Kälte stellten wir uns am Morgen in die ersten wärmenden Sonnenstrahlen um die Steifheit aus unseren Knochen zu bekommen. Nach dem wärmenden Morgenkaffee fuhren wir auf dem Highway 212 gemütlich zum Nordost- Ausgang des Parks. Bei Cocke erreichten wir diesen und hatten unterwegs Bisons, Kojoten und unseren ersten Bären gesehen.



Nach dem verlassen des Parks ging es im Montana erst mal quer über die Rocky Mountains. Bis auf 3400m Hohe bracht uns der Highway 212 und wir befanden uns mitten im Winter. Teilweise langen noch mehrere Meter Schnee neben der Strasse, der wohl kaum bis zum Ende des Sommers vergehen wird.


Als wir den Pass auf der anderen Seite herunter fuhren, fanden wir ein wunderschönes Plätzchen neben einem rauschenden Bach auf ca. 2000m Höhe. Trotz der frühen Stunde blieben wir stehen. Wir begannen sofort Holz fürs abendliche Feuer (rein bärentechnisch) zu sammeln.

Seid wir in dieser Gegend sind, muss ich immer an die Geschichte der Familie Tanner denken, in der es um einen grossen, weissen, flachen Bären aus den Yellowstone NP ging. Die Unterweisungen auf jedem CP im Norden der USA im Bezug auf Bären, lassen einen auch immer leicht nervös werden, wenn man irgendwo im Wald kampiert. Platz an der 212, kurz vor Red Lodge: N45.05.193 / W109.21.749 / Höhe 2022m
Heute gings quer durch Montana. Aber anders wie der Name des Landes vermuten lässt, war es eine Flachetappe oder besser eine leicht hügelige Fahrt. Waren wir in der letzten Zeit stets von Wäldern und Bergen umgeben verändere sich heute das Landschaftsbild stark. Kaum aus den Rockys heraus nur noch keine Hügel oder total flaches Land. Auch der Wald war verschwunden, abgelöst durch eine unendliche Grassteppe. Da kann man sich gut Millionen von Büffeln vorstellen, die bis der weisse Mann kam durch die Prärie gezogen sind.

Aber auf die Dauer ist die Gegend eher langweilig. Da wir heute noch nicht über die Grenze nach Canada wollten, blieben wir im letzten Ort vor der Grenze und stellten uns auf den CP des Lions Club. Netter kleiner Platz mit sauberen Duschen und Toiletten für 5 US$, da kann man nicht meckern.
CP in Plentywood: N48.46.177 / W104.32.612 / Höhe 621m
Von Plentywood aus war es nur noch ein Katzensprung bis zur Grenze. Auf der kanadischen Seite erwartete und eine peinlich genaue Fahrzeugkontrolle, was uns doch verwunderte. Über eine halbe Stunde stellten zwei Zöllner unser Auto auf den Kopf und schliesslich mussten wir unseren Pfefferspray und das amerikanische Feuerholz den Beamten überlassen. Meine Machete, die zuerst als Waffe taxiert wurde, bekam ich zum Schluss doch wieder zurück, da ich die Zöllner davon überzeugen konnte das es sich um ein Werkzeug handelt. Die Beamten des Zolls hatten aber auch jede Menge Zeit, da am heutigen Tag scheinbar niemand anders diesen Grenzübergang benutzen wollte.

Danach fuhren wir etliche Kilometer auf gravel roads oder geteerten Strassen die ihre besten Tage wohl kurz noch der Erfindung des Automobils erlebt hatten. Als wir den Trans- Canada- Highway erreichten kamen wir zügiger voran.

In Brandon fuhren wir auf einen RV Park und machten Bekanntschaft mit kanadischen Preisen. 32 Dollar kostete die Übernachtung. Da wird nicht unterschieden ob es ein kleiner Toyota ist ober ein riesiges RV- Gefährt mit Klima, Mikrowelle und riesen Kühlschrank. Wenigstens gabs einen schnellen Internetzugang und ich konnte den seit Tagen überfälligen 39. Bericht abschicken.
Meadowlark CP + RV Park: N49.53.255 / W099.57.449 / Höhe 399m
Schnell weg von diesem teuren Platz, aber es wurden trotzdem 10.30 Uhr bis wir unterwegs waren. Zuerst immer noch im Präriestaat Manitoba das gleiche Bild wie seit Tagen. Felder und Wiesen bis zum Horizont, der hier weit weg ist. Immerhin mit vereinzelten Baumgruppen. Wenn hier ein Farmer sagt er gehe dieses oder jenes Feld pflügen, verabschiedet er sich ausgiebig von seiner Familie und nimmt Proviant für Wochen mit. Jetzt wissen wir auch wieso vor jedem Farmhaus ein Womo oder ein Trailer steht. Erst kurz vor dem erreichen der Grenze zu Ontario veränderte sich die Landschaft. Die Felder und Wiesen nahmen ab und der Wald wurde mehr. Danach dann nur noch Wald, unterbrochen von Seen. Jetzt sah Canada so aus, wie wir uns dieses Land auch vorgestellt hatten.


Kurz hinter Kenora bogen wir vom Highway ab und stellte uns ans Ufer eines kleinen Sees. Diesen mussten wir nur mit zwei Enten teilen, ein See für uns allein sozusagen.
Platz am See: N49.45.674 / W094.10.083 / Höhe 343m
Eine Fahrt durch eine herrliche Landschaft. Seen und Wald soweit das Auge reicht. Ist schon schön dieses Canada. Bei Thunder Bay erreichten wir den Lake Superior, einer der fünf Seen die die grosse Seenplatte im Süden Canadas bilden. Lake Superior, Michigan, Huron, Erie und Lake Ontaria heissen diese fünf Seen. Thunder Bay ist eine Besonderheit. 3500 km vom Atlantik entfernt besitzt diese Stadt den drittgrössten Seehafen Canadas. über den Saint Lawrence River und die grossen Seen ist die Stadt mit dem Atlantik verbunden und der Hafen diente früher hauptsächlich dem Abtransport von Weizen aus den Präriestaaten.


Der Lake Superior war auch der Endpunkt der heutigen Fahrt. Bei Nipigon liessen wir uns auf dem CP Stillwater nieder und richteten uns ein. D.h. erst einmal Holz sammeln und feuergerecht zerkleinern (die Machete macht sich bezahlt), danach Autofront reinigen. Auf Stossstange, Haube und Frontscheibe sammeln sich an einem Fahrtag so viele Insektenleichen, bzw. deren überreste, dass man die Farbe des Autos kaum noch erkennt und einen Tag später bekommt man das Zeug kaum noch ab. Nun muss man sich nur noch mit einem Mückenschutz einschmieren, denn Canada hat um diese Jahreszeit reichlich Moskitos und einem gemütlichen Abend steht nichts mehr im Wege.
CP Stillwater bei Nipigon: N49.00.701 / W088.19.318 / Höhe 296m
Nach einigen Tage mit durchschnittlich 500 gefahrenen Kilometern war mal wieder ein Ruhetag fällig. Da der CP über WiFi verfügt, konnten wir ausgiebig mit der Heimat und anderen Regionen der Welt in Kontakt treten. Ausserdem waren einige kleine Arbeiten an unserem Gefährt fällig und Waschtag war auch noch angesagt. Da auch noch Holzsammeln für den Abend auf dem Tagesprogramm stand, wurde es uns auch am “Ruhetag” nicht langweilig.

Wieder ein Tag auf dem Trans- Canada- Highway. Canada ist schon ein Land der Extreme. Erst sieht man nur Felder und Wiesen, dann nur noch Wälder und Seen, und für Tage immer das gleiche Panorama wird auch langweilig, so schön es auch aussehen mag. Es ist doch schon schwer den Mensch zufrieden zu stellen. Aber das liegt wohl auch an meiner Reisemüdigkeit oder sollte man sagen zu viele Kilometer in zu kurzer Zeit (selbst Schuld). Auf jeden Fall fallen mir die zurückzulegenden Kilometer immer schwerer, obwohl ich gerne Fahre. Ist schon Eigenartig, ich hätte nie gedacht so etwas wie Heimweh verspüren zu künnen, aber jetzt sehne ich das Ende dieser Reise herbei. Aber noch liegen einige Meilen bis Halifax vor uns und die wurden auch mit dem heutigen Tag geringer. Ok, wir stoppten irgendwo am Highway 17 und fanden einen schönen Platz unweit der eigentlichen Strassentrasse in der nähe des Ortes Frater. Eine Feuerstelle und genügend Holz waren vorhanden und Bären gibts in Canada eh keine mehr. Da stand einem relaxten Abend nichts mehr im Wege.
Freier Platz am Highway 17: N47.09.911 / W084.41.489 / Höhe 219m
Noch ein Waldtag. Weiter rasselten wir unsere Kilometer in Richtung Osten herunter. Wie jeden Tag kein Reh, kein Hirsch, kein Elch oder geschweige ein Bär. Ich glaube langsam die Viecher haben Ferien. Nur unendliche Wälder und die obligaten Seen. das war's was wir Heute zu Gesicht bekamen.


In Hagar verliessen wir den Highway und fuhren fünf Kilometer zum Ratterlake, wo wir es uns auf dem CP gemütlich machten. Ansonsten gibt es vom heutigen Tag nichts zu berichten.
CP Ratterlake: N46.29.901 / W080.25.368 / Höhe 275m
Langsam verändere sich die Landschaft wieder. Der Wald wurde weniger und an seine Stelle traten Felder und Wiesen. Kein Wunder, wir bewegen uns jetzt im dichter besiedelten Teil Canadas. Immer noch auf dem Trans- Canada- Highway, wollten wir vor Ottawa einen übernachtungsplatz suchen, aber es fehlten plötzlich alle Hinweise auf Picknickplätze oder Campgrounds. Das dauerte bis wir bereits mitten in der Stadt waren und da es dort keine Stellplätze gibt, fanden wir erst ca. 50km hinter der Stadt eine übernachtungsmöglichkeit. Ein CP mitten zwischen Feldern und Kuhställen. Da wir keine Lust mehr auf längeres Suchen hatten, blieben wir auch dort. So kam es, dass wir der Hauptstadt Canadas keinen Besuch abstatten konnten, denn zurück ist unmöglich.
CP irgendwo im no where: N45.19.919 / W074.59.231 / Höhe 69m
Morgens waren wir früh auf den Beinen und fuhren nach Montreal, stellten unser Auto auf einem bewachten Fahrzeug ab und brachen zu einer Runde durch die Stadt auf. Montreal ist eine Grossstadt wie jede andere, aber schon der keine Teil den wir besuchten ist so weitläufig, dass man sich die Füsse platt läuft. Wir streiften durch das Zentrum und wollten dann in die Altstadt.



Dort angekommen besuchten wir Montreals schönstes Baudenkmal, die Kathedrale „Notre Dame”. Am Eingang aber standen fleissige Kirchendiener und verlangten 10 Dollar Eintritt pro Person. Ich war doch mehr als überrascht, da ich noch niemals Geld für einen Kirchenbesuch bezahlt hatte. Wenn sie mir mit den 10 Dollar wenigstens noch einen Ablass für meine Sünden verkauft hätten, denn das hat die Kirche ja bereits schon im Mittelalter praktiziert, aber nur um da rein zu kommen....Ich glaube die haben falsch verstanden warum Jesus die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel in Jerusalem vertreiben wollte. Wir verzichteten also auf die Innenbesichtigung und marschierten weiter durch die Altstadt. Mit dampfenden Füssen stand wir einige Stunden später wieder vor unserem Toyota, stiegen ein und verliessen die Stadt.


Auf halber Strecke nach Riviere du Loup verliessen wir den Highway 20 und fuhren die wenigen Kilometer zum Saint Lawrence River, der hier schon eine beachtliche Breite hat. In St. Jean Port Joli, dem erstem Ort durch den wir kamen, fanden wir einen heimeligen, kleine CP direkt im Ort. Da wir vergessen hatten unsere Vorräte zu ergänzen, kam es uns sehr gelegen, dass direkt vor dem CP ein Restaurant vorhanden war. Das Essen war hervorragend da man hier im der Provinz Quebec mit der französische Küche vertraut ist und die kochen halt gut.
CP in St. Jean Port Joli: N47.13.058 / W070.15.856 / Höhe 17m



Heute war grosser Organisationstag. Erst einmal suchten wir in Internet nach Fenstern für unsere Schiebetür. Wir wurden fündig und bestellten gleich. Schon am Vortag hatten wir bei Seabridge angefragt, ob wir am 28. Juli noch aufs Schiff kommen könnten. Er positive Bescheid war am Vormittag per email gekommen und wir buchten die Verschiffung unseres Fahrzeuges. Unser Schiff wir nicht wie gewöhnlich bei Seabridge Hamburg als Endhafen haben, sondern Antwerpen und wir müssen dort am 16.8. unser Auto abholen. Macht nix, da lerne ich auch Belgien mal kennen. Dann buchten wir zwei Fluge nach Brüssel, die mit 870 Euro zu Buche schlugen. Danach suchten wir Hotels in Brüssel, Antwerpen und Halifax. Eigentlich hatten wir ja vor, einige Tage in Halifax zu bleiben, aber der Preisvergleich zwischen Belgien und Canada fiel klar zu Gunsten Belgiens aus, das wir jetzt bereits einen Tag nach der Abgabe des Autos ins Flugzeug steigen werden. Dank Internet hatten wir bereits am Abend alle Bestätigungen Fenster, Hotels, Flüge - alles klar - ready for take of.
Wir machten heute mit 710km ganz schön Strecke. Das lag zum einen am frühen Aufstehen und zum anderen daran, dass die ganze Strecke über die Autobahn führt.



D.h. relaxt fahren mit 110 km/h
Nachdem wir eine netten Picknickplatz angelaufen hatten, wo uns verschiedene Verbotsschilder zum weiterfahren zwangen, stellten wir uns auf den Parkplatz eines Restaurants im kleine Ort Sackville, gingen dort essen und erhielten die Erlaubnis dort zu übernachten.
Restaurant in Sackville: N45.54.487 / W064.22.255 / Höhe 21m
In Halifax waren wir an diesem Morgen ziemlich schnell. Aber unsere „grossräumige” Umfahrung der Stadt nahm fast die gleiche Zeit in Anspruch.



Erst suchten wir nördlich der Stadt einen in der Karte verzeichneten CP, den wir aber nicht fanden. Dann gings wieder um die Stadt herum nach Süden in die Nachbarbucht von Halifax, die St. Margaret's Bay. Wir machten es uns auf dem „Wayside Park” gemütlich. Der Platz ist sehr schön gelegen und mit 25 Dollar/Tag für kanadische Verhältnisse recht preiswert. Wir werden hier unsere letzten Tage auf dem nordamerikanischen Kontinent verbringen.
CP Wayside Park: N44.34.755 / W063.54.651 / Höhe 22m
Wir verbrachten beschauliche letzte Tage auf dem CP Wayside Park. Leider das Wetter sehr wechselhaft und es regnete häufig. Da konnten wir uns langsam an das westeuropäische Sommerwetter gewöhnen. An einem Tag besuchten die Firma Atlantic Custom Brockers in Halifax, die für Seabridge die Speditionsaufgaben in Halifax übernimmt. Wir machten dort alles klar für die Abgabe des Autos am 28. Juli. Sonst war mal wieder Holzsammeln meine Hauptbeschäftigung.
Heute standen die letzten Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent auf unserem to do Zettel. Nachdem wir unsere Gasflaschen aus dem Auto entfernt hatten (die dürfen nicht mit aufs Schiff) fuhren wir die letzten Kilometer zum Hafen von Halifax. Dort gaben wir unser Auto ab und waren nach wenigen Minuten wieder aus dem Hafengelände. Nun mit Rucksäcken beladen liessen wir uns von einem Taxi in die Innenstadt fahren. Im Hotel Commons Inn hatten wir eine halbwegs günstige Bleibe für die letzte Nacht in Canada gefunden und stellten dort unser Gepäck ab, da wir unser Zimmer erst am Mittag beziehen konnten. Erst mal gabs Frühstück und danach machten wir eine ausgiebige Tour durch die Stadt. Wirklich schön ist der Bereich am Hafen direkt in der Stadt, der am San Francisco erinnert. Ansonsten ist die Stadt recht klein und übersichtlich. Schade, das wir uns nicht mehr Zeit genommen hatten sagten wir uns am Nachmittag nach Rückkehr ins Hotel.



Am Morgen konnten wir uns sehr viel Zeit lassen. Wir hatten ja jede Menge Zeit, denn unser Flug ging erst am Abend um 22.05 Uhr. Leider mussten wir aber um 11 Uhr bereits unser Zimmer räumen und so standen wir früh mit viel Gepäck auf der Strasse. Da ist es mit Auto schon viel angenehmer. Wir liessen uns in einem Park, unweit der Zitadelle nieder und kramten unsere Bücher hervor, konnten uns aber nicht aufs lesen konzentrieren. Da auch immer mehr Bewölkung aufkam und es nach Regen aussah, beschlossen wir den Rest des Tages im Airport zu verbringen. Wir machten uns auf zur Haltestelle des Airport- Shuttle. Als wir dort warteten, hielt ein Taxi und da der gute Mann den gleichen Preis verlangte wie die Kosten mit dem Shuttle, stiegen wir bei ihm ein und liessen uns die 38 km bis zum Airport fahren. Dort angekommen begann das lange Warten. Zum Glück gab es im Airport freien Internetzugang und wir konnten uns die Langeweile etwas erträglicher gestalten. Trotzdem waren wir froh als wir durch den Zoll waren und das Boarding begann. Pünktlich um 22.15 hob die Maschine des Fluges DE 5063 von Condor zum Flug nach Frankfurt ab und landete sechs Stunden später ebenso pünktlich in Frankfurt.
In Frankfurt war wieder warten angesagt. 9.35 Uhr Landung, aber da die Maschine nach Brüssel, um 10.45 Uhr ausgebucht war, mussten wir uns bis 15.50 gedulden (mit den Zug wären wir wahrscheinlich schneller gewesen). Zum Glück dauerte dieser Flug nur 55 Minuten. D.h. man brauchte sich kaum wieder abschnallen nach dem Start. Kaum die Flughöhe erreicht, ging es bereits wieder in den Sinkflug. Dann noch eine Taxifahrt in die Innenstadt und wir hatten es geschafft. Wir checkten in Hotel Bedford ein und waren schnell in unserem Bett verschwunden.
Mit dem Hotel Bedford hatten wir einen guten Griff getan. In Herzen der Stadt ca. 500m vor Grande Place entfernt, konnten wir die meisten Sehenswürdigkeiten Brüssels zu Fuss erreichen und Brüssel ist eine schöne Stadt. Da Brüssel im zweiten Weltkrieg von Bombardierungen verschont blieb sind all die schönen Bauten und Häuser einer in Jahrhunderten gewachsenen Stadt noch unversehrt vorhanden. Von den Bauten her fühlt man sich auf dem Grande Place ins 17. Jahrhundert zurückversetzt. Man sieht das diese Stadt einst eine sehr reiche Metropole war. Aber nicht nur der Grande Place ist schön sondern die ganze Altstadt. Nur ein paar Touristen weniger wäre ganz nett. Aber man zählt ja selbst dazu und so sollte ich nicht meckern. Nach einigen Tagen in denen wir die Stadt kreuz und quer durchstreifen, bekamen wir Besuch aus der Schweiz. Yvonne und ihre beiden Kinder kamen nach Brüssel. Ihre Campingpläne waren dem schlechten Wetter dieses Sommers in Europa zum Opfer gefallen und da kam den Dreien ein Tapetenwechsel gerade recht. Das Wetter war nicht schlecht und so stand ausgedehnten Streifzügen durch Brüssel nichts im Wege. Von Minieuropa, über das Atomium bis hin zum Diamantenmuseum schauten wir uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Aber bereits nach einigen Tagen vermissten wir unser Auto und warteten auf den Tag des Eintreffens.





Es gab auch einiges zu organisieren. Nach dem wir erfahren hatten, dass unser Plan uns eine grüne Versicherungskarte für Europa aus der Türkei schicken zu lassen, nicht klappt, suchten wir im Internet eine Versicherung, die unser türkisches Auto für einen Monat versichert. Das stellte sich aber als sehr schwierig heraus und wir fanden keine geeignete Gesellschaft. Als Rettungsanker riefen wir bei Seabridge, mit denen wir unser Auto verschifft hatten in Düsseldorf an und erhielten die Adresse der Gesellschaft Alessie in Rotterdam. Nachdem wir Kopien von Pass und Fahrzeugpapieren geschickt hatten, bekamen wir die Bestätigung das alles Ok. war und das Original der grünen Karte und der Vertrag sollte uns zu unseren Hotel in Antwerpen geschickt werden. Kostete zwar lockere 256 Euro, aber wir hatten ein Problem vom Tisch, da wir erfahren hatten, dass man ohne gültige Versicherung das Auto nicht aus dem Hafen bekommt. Nachdem Yvonne und ihre Kinder uns wieder verlassen hatten, war der Aufenthalt in Brüssel auch für uns nur noch wenige Tage lang. Am Morgen des 9. August räumten wir unser schönes Zimmer im Hotel Bedford und marschierte zur Central Station. Schnell waren die Tickets für die Fahrt noch Antwerpen besorgt und nach kurzer Fahrt standen wir vor dem Bahnhof einer neuen Stadt. Vor dem Bahnhof fielen uns zuerst einmal die vielen Juwelierläden mit Diamantschmuck ins Auge. Ja, sah so aus als wären wir in der Hauptstadt des Diamantenhandels gelandet. Auch unser Hotel war direkt am Bahnhof und so hatten wir keinen weiten Weg. Da wir aber zu früh angekommen waren, konnten wir unser Zimmer noch nicht beziehen, Also Rucksäcke im Hotel abstellen und einen ersten Erkundungsrundgang starten. Antwerpen stellte sich ebenfalls als eine schöne Stadt heraus.
Noch einige Tage warten auf unser Auto. Spaziergänge durch die schöne Stadt, Nasen an den Schaufenster der Juwelierläden plattdrücken, leckeres Essen und kühle Getränke bestimmten den Tagesablauf der nächsten Tage. Da Monique einen grossen Teil ihrer Kindheit in dieser Stadt verbracht hatte, war es für sie eine schöne Gelegenheit diese Stadt wieder zu sehen und sie erwies sich trotz der langen Jahre der Abwesenheit als kundige Stadtführerin.



Nach einem Anruf beim Agenten, erreichte uns die erfreuliche Nachricht, dass wir unser Auto bereits am Freitag den 12. August, anstatt am Dienstag den 16. August in Empfang nehmen könnten. Das wurde dann auch bei Wein, Bier und einem leckeren argentinischen Steak gebührend gefeiert.
Freudig erregt fuhren wir gegen Mittag zum Agenten und kurz nach 1 Uhr ging es mit einem Paket Papieren erst zum Zoll und danach zum Hafengelände. Alles ging very fix und bereits um 2 Uhr standen wir mit unserem Auto vor dem Hafengelände in unserem Auto. Nur, der Innenraum des Fahrzeuges sah nicht mehr ganz so aus als zu dem Zeitpunkt der Abgabe in Halifax. Jemand hatte Teelichter auf dem Armaturenbrett angezündet und ein Grossteil des Wachses war überall verteilt. Getränke, die sich im Kühlschrank befanden waren auch nicht vorhanden. Alles sah nach Party on Board aus. Auch fehlten Taschenlampen, Fernglas und einige andere Dinge. Soviel zum Thema Sicherheit bei RoRo- Verschiffung. Aber wir waren ja froh das alles andere in Ordnung war. Also fuhren wir los in Richtung Lindau um unsere Freunde Helmut und Eda zu besuchen. Ein merkwürdiges Gefühl nach Monaten wieder mit 120 km/h über die Autobahn zu brausen, aber man gewöhnt sich schnell wieder daran. In Düren machten wir einen Zwischenstopp um meine Leibspeise, dicke Bohnen oder Saubohnen wie sie in anderen Teilen Deutschlands genannt werden einzukaufen. Diese Art Bohnen bekommt man nur im Rheinland, denn im Rest der Republik werden sie höchstens als Viehfutter angebaut. Am Abend stoppten wir dann an einem Autohof und genossen die ebenfalls eingekauften Brot und Wurstwaren.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Lindau zu unseren Freunden Eda und Helmut. Wie immer wurden wir dort herzlich empfangen. Am Abend gab es wieder lukullische Genüsse, denn Helmut ist nicht nur ein guter Geschäftsmann, sondern auch ein hervorragender Koch. Es gab natürlich viel zu erzählen und es wurde sehr spät.
Eigentlich wollten wir ja am nächsten Tag in die Schweiz weiterfahren, aber in der Nacht fiel mir ein, das mit unserer Autoversicherung etwas nicht stimmen konnte. Da wir ja ursprünglich unser Auto erst am Dienstag dem 16. August aus dem Hafen bekommen sollten, hatten wir das Startdatum der Versicherung auch auf diesen Tag festlegen lassen. Das hatten wir aber total vergessen und sind somit ohne Versicherungsschutz quer durch Belgien und Deutschland gefahren, was ganz schön ins Auge hätte gehen können. Um keinen ärger zu bekommen blieben wir hat noch zwei Tage und kamen in den Genuss weiterer Küstlichkeiten aus Helmuts Küche.
Heute verliessen wir Lindau, oder um genauer zu sein Weissensberg, da sich das Zuhause von Eda und Helmut dort befindet. Es waren schöne Tage bei ihnen und wir hoffen die beiden auch mal bei uns in der Türkei begrüssen zu künnen. Aber die beiden haben ebenfalls Weltreisepläne und so wissen auch sie nicht wann wir uns wiedersehen werden. Wir fuhren also das kurze Stück um den Bodensee herum und waren schnell in unserer alten Heimat, dem St. Gallener Rheintal.
Es waren mal wieder harte Tage. Einkäufe mussten getätigt werden, alte Freunde wollten besucht werden und Monique wollte ihre Enkelkinder mal wieder geniessen. Auch einige Besuche in unserer früheren Stammkneipe, der Krone in Widnau, mussten drin liegen. Meine Tochter Janine kam für einen Abend aus Zürich und sie erzählte uns ausgiebig wie der Teil ihrer Reise nach unserer Trennung in Kalifornien verlaufen war. Robin war zu diesem Zeitpunkt ja noch in den USA. Es war ein wenig stressig in so kurzer Zeit so viele Termine wahrzunehmen. Aber ersten wollten wir Yvonne nicht so lange auf den Wecker fallen und zweitens freuten wir uns auf Ayvalik und unsere Haus, weshalb wir uns nicht mehr Zeit im Rheintal günnten. Nachdem wir alles was es zu erledigen gab hinter uns gebracht hatten, waren die wenigen Tage auch bereits um und wir machten unseren Boliden wieder startklar.
Sehr früh am Morgen des heutigen Tages verabschiedeten wir uns von Yvonne und den Kindern und machten uns auf zur nächsten Alpenüberquerung. Die Strecke über den St. Bernadino- Pass nach Mailand und weiter nach Ancona kennt das Auto bereits zur Genüge und da genügt ein „los, dann fahr mal”. Leider erwischten wir einen sehr verkehrsreichen Tag und hatten jede Menge Staus auf den italienischen Autobahnen. Wir kamen erst eine viertel Stunde vor Abfahrt der Fähre im Hafen von Ancona an. Im Ticketoffice, wo wir uns Tickets für den nächst Tag besorgen wollten, erfuhren wir dann, dass die Fähre 1 ½ Stunden Verspätung hätte und wir doch noch aufs Schiff könnten. Schnell buchten wir die überfahrt und waren mit die letzten die auf die Fähre konnten. Leider war „Camping on Board” bereits ausgebucht, aber da unser Auto ebenfalls auf dem „open deck” stand, fanden wir Mittel und Wege um trotzdem in unseren Fahrzeug zu schlafen.
Bei der Ankunft in Igoumenitsa hatte die Fähre bereits den grössten Teil ihrer Verspätung wieder aufgeholt, weshalb wir fast pünktlich vom Schiff herunter und auf der Autobahn waren. Die Fahrt durch die Berge Nordgriechenlands war wie immer faszinierend. Wir fahren diese Strecke wirklich sehr gerne. Zügig ging es über Ioannina, Thessaloniki und Kavala in Richtung Türkei. Die Strecke bis Ayvalik ist zwar an einem Tag zu bewältigen, aber wir entschieden uns zu einem Stopp in Alexandroupoli, um nochmal einen Nacht auf unserem Lieblingscampingplatz zu verbringen.
Am Morgen brachen wir auf, um die letzte Etappe unserer Reise unter die Räder zu nehmen. An der nahen Grenze zur Türkei hatten wir dann das letzte Problem unseres Ausflugs. Da unsere Versicherung für die Türkei nach einem Jahr im Ausland bereits abgelaufen war, wollten wir im Versicherungsbüro an der Grenze eine Neue abschliessen. Leider nahm der Computer der netten Dame hinter den Schreibtisch die Nummer der Autopapier des Bezirks Balikesier nicht an und wir mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Aber ohne gültige Versicherung zu fahren sind wir ja seid Mexico gewohnt. Ohne Probleme mit der Polizei zu bekommen kamen wir am Nachmittag in Ayvalik an. Nach einem Grosseinkauf im Supermarkt fuhren wir die letzten Kilometer bis zu unserem Haus in Dogal Kent und standen nach 59310 km wieder vor unserem Zuhause. Unsere Reise war definitiv zu Ende.


Hier noch einige Fakten zur Reise.
| Beschreibung | ||
|---|---|---|
| gefahrene Kilometer: | 59310 km | |
| benütigter Treibstoff | 6275 Liter Diesel | 4904 € |
| Dauer: | 366 Tage | |
| Gesamtkosten | 33000 € | |
| Verschiffungen | Bremerhaven - Buenos Aires, Cartagena - Colon , Halifax - Antwerpen |
|
| Gesamtkosten der Verschiffungen | inklusive Flüge | 8340 € |
Alles in allem hat uns diese Reise zwar gefallen, aber nach unseren Erfahrungen der zwei Jahre in Asien nicht vom Hocker gehauen. Südamerika ist riesig und die Kilometer zwischen den Plätzen die man sehen will enorm. Allerdings ist es dadurch das keine Visa benütigt werden und auch kein Carnet de Passages, einfacher zu befahren als Asien. Im Grund wäre es einfacher in den USA einen Camper zu kaufen und diesen in Südamerika wieder zu verkaufen. Wir haben einige Reisende getroffen die so verfahren hatten. Man erspart sich dadurch zwei mal die Verschiffung des Fahrzeugs von Europa und zurück. Wer so eine Reise machen möchte, sollte unbedingt die Passage von Süd- nach Nordamerika oder umgekehrt mit einem Segeltörn über die San Blas Inseln verbinden - einfach Traumhaft diese Inselwelt. Ausserdem sollte man sich mehr Zeit lassen als wir. Auch eine exakte Planung bezüglich der Wetterverhältnisse in Südamerika ist dringend angesagt. Da wir das nicht gemacht hatte, waren wir häufig zur falschen Zeit am falschen Ort, da wir nicht wussten, dass es auf den beiden Seiten der Anden verschiedene Regenzeiten gibt.
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